Essen & Trinken hält Leib und Seele zusammen
Marga und Rudi, von guten Freunden auch in einem Wort "Margaunrudi" genannt, verstehen sich als abgeklärte Kosmopoliten, die in mittleren Jahren aus gesundheitlichen Gründen zwar im Süden leben, vom Herzen her jedoch ihre Wurzeln, die süddeutsch-fränkischen, gern wiederentdecken und pflegen. Mindestens einmal im Jahr.
Dann aber lädt Rudi herzlich all die Menschen ein, die mit ihnen damals diskutiert hatten, als sie nach Neuseeland auswandern wollten, dann aber doch lieber einige Jahre in Nordafrika verbracht hatten, später wiedergekommen waren und alles und so.
Ja, Margaunrudi laden dann zum Essen ein, zur Erinnerung.
Das Furchtbare dabei ist, Rudi kocht gern, so sehr gern, aber er kann es leider überhaupt nicht, übt auch nicht und läßt sich nichts, überhaupt nichts sagen. Im Gegenteil, als Geschenk wünscht er sich immer wieder große Töpfe, so 15 bis 20 Liter, die man fast zu zweit vom Feuer tragen muß.
Nun, letztes Jahr gab's für achtzehn Leute Gans mit Klößen und Rotkraut. Immerhin. Das ist nun so, man mäkelt nicht am Essen rum bei Freunden, macht man ja nicht, aber Georg zumindest hatte ein keines Problem mit dem Rioja, "den trinke ich nicht", hatte er unvermutet konsequent geäußert, "den nicht", und flugs hatte die gute Marga ihm eine andere, eher französische Lage kredenzt.
Mit den Klößen war das ganz anders. Riesendinger, Bremsklötzen gleich, wurden den Freunden auf die Teller praktiziert, ganz erstaunlich. Es soll Leute gegeben haben, die zwei Stück verzehrt haben an diesem Abend, riesengroß und innen noch vollständig roh, vor lauter Hunger. Angeblich hat man vier bis fünf Tage was davon.
Rudi aber hat das alles genau erklärt. Achtundzwanzig (28) Kilo Kartoffeln hatte er einkauft, festkochend, in der Kombihaushaltsmaschine geraspelt und dann mit einer- auf dem Flohmarkt preiswert erworbenen -Wäscheschleuder ernsthaft entsaftet und in einem seiner Riesentöpfe zu Klößen zubereitet.
Die Gans dagegen war dann ganz ungewöhnlich geschmacksarm. Begleitet von Margas verständnissinnigem Lächeln erläuterte Rudi, es gäbe schließlich nur eine einzig wahre Art, eine Gans zuzubereiten: Zunächst kochen, dann braten. Die Verblüffung der eingeladenen Menschen aus schwerer Zeit war nicht gering. Wieso kochen? Eine Gans?
Aber so sind sie eben, Margaunrudi, einmal im Jahr.
Das Kochwasser von der Gans verarbeitet Rudi übrigens zur Soße für die Klöße.
Pfeffer, Salz und ein viertel Fläschchen Maggi.
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